Fahren mit Pflanzenöl(abgekürzt Pöl), geht das überhaupt?
Im Prinzip ja. Fast alle Dieselfahrzeuge eignen sich zum fahren mit "Pöl". Es müssen dabei nur Motor- und PÖLspezifische Dinge beachtet werden. Über Umbaumaßnahmen sich auf jeden Fall beim geschulten Fachbetrieb informieren. Am einfachsten gehen die alten Vorkammer-Diesel, mit Bosch-Reiheneinspritzpumpe (z.B. Mercedes OM617, oder W123). Dort sind nur wenige, Pöl-spezifische, Umbauarbeiten erforderlich.
Warum mit Pöl fahren?
ökologisch, nachwachsenderRohstoff
Nutzung von sonst brach liegenden Agrarflächen
Unabhängigkeit von den "Ölmultis" und der damit in Zusammenhängigkeit stehenden "Abzockerpolitik", egal von wem
CO²-neutrale Verbrennung, d.h. es wird nur das beim verbrennen abgegeben, was vorher beim Wachstum der Pflanze der Luft entzogen wurde. Belastet dadurch die Umwelt nicht "zusätzlich"
letztendlich der Preis, ca 0,85 - 1,00 Euro / Liter, je nach Einkauf
in der Regel kein höherer Verbrauch pro Km
Grundsätzlich ist beim "Pölen" zu beachten:
die höhere Viskosität (Pöl ist "dickflüssiger)
keine Wintertauglichkeit (Pöl "verdickt" sich bei kalten Temperaturen)
Pöl hat einen höheren "Zündtemperaturpunkt"
daraus ergibt sich eine schlechtere "Zündwilligkeit" als Diesel
Aus diesen Umständer ergeben sich PÖLspezifischen Umbauarbeiten, wie:
elektrische-, oder Kühlwasserwärmetauscher für die Treibstoffleitung
eventuell geringe Zusätze von Benzin (2-3%), oder Diesel (bis zu 50%)
eventuell Anpassung der Einspritzanlage, oder Glühkerzen
oftmals laufen die alten, einfachen Diesel-Motoren ohne große Umbauarbeiten
der OM617 z.B. braucht für den Sommerbetrieb garnicht geändert werden und fährt mit 100% Pöl. Wenn´s dann zu kalt wird, oder kein Pöl verfügbar ist, einfach wieder Diesel tanken.
aufgrund der "Reinigungswirkung" können sich bei der Erstumstellung alte Ablagerungen lösen und in die Filter geraten
nach der ersten Umstellung auf Pöl öfters die Filter kontrollieren
Hier gibt es alles Wissenswerte über das Fahren mit Pöl, und jede Menge weiterführende Links. Wer auf Pöl umsteigen will, muß vorher auf diese Seite.
Mein Unimog 404 mit OM617 Saug-Diesel, 80PS soll für das "Pöl-fahren" hergerichtet werden. Nach meinen Recherchen bietet er dafür hervoragende Bedingungen: Saug-Diesel, Vorkammern, Bosch-Reiheneinspritzpumpe. Folgende Umbauarbeiten wurden durchgeführt
Ich habe mein Pöl-System neu modifiziert. Die Tankanlage sollte universeller sein. Da ich auch viel mit meinem Unimog 404-WoMo im Ausland unterwegs bin, ohne Pöl-Versorgung, soll mal mit Pöl, mal mit Diesel, direkt aus dem großen 200Liter Tank, gefahren werden können.
Ebenso habe ich die elektrische Filterheizung wieder ausgebaut und konzentriere mich nur noch auf eine effektive Vorheizung des Pöl´s mit der Standheizung, bzw. dem Kühlerkreislauf.
Dafür sind jetzt 2 WT´s montiert, 1x direkt am Tank (WT II), 1x direkt vor dem Hauptfilter (WT III).
Ferner wurde das 2-Tanksystem endlich in Betrieb genommen
1) Der Kühlerkreislauf
Die "Neuerung" besteht eigentlich nur aus einem geänderten Wasserkreislauf, der jetzt im Stand effektiver das Pöl vorheizen kann.
Die Standheizung im Wohnkoffer war bei mir schon vorhanden und über den kleinen Kühlerkreislauf der Heizung "eingeschleift".
Auf folgende Möglichkeiten sollte dabei nicht verzichtet werden:
Im Stand: Wärme von der Standheizung in den Motorkreis bringen, entweder mit oder ohne Pöl-Vorwärmung, je nach Stellung des 3-Wegekugelventils.
Während der Fahrt: Wärme vom Motor "nach hinten bringen", für kostenloses heizen oder warmes Wasser machen, während der Fahrt.
Der Umbau
Die Pöl-Vorwärmung erfolgt jetzt nur noch über die Standheizung, bzw. Kühlerkreislauf.
Es sind jetzt sozusagen 2Wärmeerzeuger nacheinander geschaltet, erst der Motor, dann die Standheizung (über den WT I).
So können beide das Pöl erwärmen, je nachdem wer die Wärme produziert.
Dadurch bekommen zuerst die Pöl-WT´s die "volle Heizleistung" ab, danach wird der Motor mit der etwas reduzierten Wärme vorgeheizt.
Damit dieses auch funktioniert, muß wenigstens ein Kreislauf geöffnet sein, deswegen habe ich mich für ein 3-Wegekugelventil (Ventil II) entschieden.
Dreiwegeventil II, Stellung I: a) im Stand: Pöl-Vorwärmung und Motorvorwärmung b) während der Fahrt: Pöl-Vorwärmung und Wärme nach hinten bringen
Dreiwegeventil II, Stellung II: a) im Stand: nur Motorvorheizung für reinen Dieselbetrieb (z.B. Ausland, ohne Pöl) b) während der Fahrt: nur Wärme nach hinten bringen Die Integration des Pöl-Vorwärmers (Plattenwärmetauscher) in den Kühlerkreislauf habe ich auf meiner "Fahrzeugseite", unter Unimog 404-WoMo, in dem Artikel "Standheizung" näher beschrieben, incl. Leitungsschema (Einbauskizze).
Einbindung der Pöl-WT`s in den Kühlerkreislauf, bessere Bilder in meiner Bildergalerie
2) Der Treibstoffkreislauf:
Folgende Probleme sollten gelöst werden:
Pöl-Betrieb: Anwärmung erwünscht, vorheizen mit Standheizung Diesel-Betrieb: Anwärmung unerwünscht, vorheizen nicht erforderlich
Der Rücklauf sollte, zur besseren Entlüftung, nicht kurzgeschlossen, sondern klassisch wieder in den Haupttank zurück gespült werden. Der Anschluß an den serienmäßigen Hauptfilter ist mit einem Rückschlagventil (RV) so gelöst, daß im Stand die elektrische Vorförderpumpe den Hauptfilter mit durchströmt und so das ganze System durchgeheizt wird.
Während der Fahrt, wenn die ESP mit "saugt" ist dieser Anschluß durch das RV geschlossen, damit keine Luft über den Rücklauf angesaugt werden kann. Beide male wird der Treibstoff über die Rücklaufleitung in den Tank gespült.
Die 2 WT´s (WT III + II) sind zusammen leistungsstark genug das Pöl im "Durchlaufprinzip" auf Temperatur zu bringen (KGR wäre Umlaufprinzip). Eine "saubere" Entlüftung ist so auf jeden Fall gewährleistet. Ein nachträgliches "kurzschließen" des Rücklaufes wäre aber mit einem 3-Wegemagnetventil jederzeit möglich (schaltbarer KGR).
Bei Dieselbetrieb werden einfach die beiden Pöl-WT´s mit dem 3-Wegekugelventil ausgeschaltet (Anwärmung des Diesel nicht erwünscht)
Treibstoffschema für 2-Tankanlage, bessere Bilder in meiner Bildergalerie
Die 2-Tankanlage:
Für den Kaltstart ist das 2-Tanksystem vorgesehen, also starten immer mit Diesel.
Die Schaltung der beiden 3-Wegeventile geschieht vom Fahrerhaus aus, durch einen einfachen ein / aus-Schalter Aus = Pöl-Betrieb vom Haupttank Ein = Diesel-Betrieb vom Zusatztank. Das 3-Wegeventil im Rücklauf schaltet sich zeitversetzt ein damit, nach dem umschalten auf Dieselbetrieb, kein Rest-Pöl aus den Leitungen Filter usw. in den Dieseltank gespült wird. In der E-Zuleitung zum Rücklauf 3-Wegeventil ist dafür ein anzugverzögertes Zeitrelais zwischengeschaltet. Dort läßt sich, direkt am Relais. die Zeitverzögerung einstellen.
So habe ich folgende Möglichkeiten zur Auswahl: Starten mit Diesel (Zusatztank), dann umschalten auf Pöl-Betrieb (Haupttank) Vorheizen mit Schaltung auf Diesel (Zusatztank), dann nur über WT III am Filter Vorheizen mit Schaltung auf Pöl (Haupttank), dann über WT II und WT III (mehr Wärme)
Entscheidung je nach Aussen- oder Motortemperatur.
Dafür habe ich zwei Schalter: 1) einfacher ein/aus-Schalter = Haupttank (Pöl) / Zusatztank (Diesel) 2) "Aufzieh"-Schalter, Einschaltdauer bis max 120Min = Vorheizen an / aus
Bei reinem Dieselbetrieb im Haupttank, z.B. Ausland usw. werden die WT`s einfach durch das 3-Wegeventil abgestellt.
Die Vorförderpumpe ist mit der Zündung gekoppelt, also immer: Zündung an = Pumpe an. Kann ja nicht verkehrt sein.
3) Vorheizen mit der Standheizung
Da es sich bei meinem WoMo um ein autarkes Expeditionsmobil handelt mußte ich beim Aufbau der Heiz- / Kühlkreise und Elektrik die besonderen Anforderungen berücksichtigen
Den Einbau der Standheizung in den separaten Kofferkreislauf und der Verbindung mit dem Fahrzeugkreislauf habe ich auf meiner Fahrzeugseite gesondert beschrieben.
Bei der Elektrik sind bei mir zwei, von einander getrennte, Batteriebänke eingebaut: Fahrzeugkreis: hier ist die Masse durch den Fahrzeugrahmen gegeben Bordkreis: hier ist die Masse separat verlegt und wird über einen Messhunt (Amperemeter) geführt, damit ich immer eine Kontrolle über die Batteriekapazität habe
Verbunden werden die Batteriebänke nur durch den B2B-Lader von Sterling, siehe auch meine Beschreibung: Verbesserung der Ladecharakteristik, auf meiner KofferseiteEine manuelle Verbindung der beiden Bänke ist nur für denNotfall vorgesehen, z.B. Ausfall des Ladereglers, leere Batterie usw. Die Bord-Batteriebank besitzt diverse Lademöglichkeiten wie: Solar, B2B-Lader, "normales" 230V-Ladegerät mit 7Amp, "Power"-Ladung 230V-Ladegerät mit 45Amp. 230V-Anschluß als "Land"-Anschluß oder Notstrom-"Moppel"
Aus dem Grund dürfen die Stromkreise Bord und Fahrzeug nicht zusammengeführt werden, weder auf der Masseseite noch auf der stromführenden Seite, auch nicht bei irgend welchen Schaltungen wie: vorheizen mit der Standheizung usw.
Die Standheizung ist in den Bordkreis (starten muß immer gewährleistet sein), die Vorförderpumpe in den Fahrzeugkreis (schaltet mit Zündung immer an) eingebunden. Das Vorheizen mit der Standheizung wird durch einen "Aufzieh"-Schalter (aus dem normalen Berker-Schalterprogramm Best-Nr. 2041 und Best-Nr. 16350069), mit einer maximalen Laufzeit von 120Min, aktiviert. Die Schaltung sollte bei ausgeschalteter Zündung erfolgen können. Aus den oben genannten Gründen schaltet der "Aufzieh"-Schalter nicht direkt, sondern über normale KFZ-Releas. Dadurch ist die Trennung der elektrischen Schaltkreise gewährleistet, da die Releas ja einen Schalt-Kontakt und einen "potentialfreien" Arbeits-Kontakt besitzen.
Beim vorheizen werden folgende Komponenten aktiviert: 1) die Standheizung, ist klar muß sein 2) die elektrische U-Pumpe im Kühlerkreislauf, die Wärme muß ja auch verteilt werden 3) die Vorförderpumpe, damit sich der gesamte Treibstoffkreis aufheizt, incl. Filter usw.
Schaltplan: vorheizen mit der Standheizung, bessere Bilder in meiner Bildergalerie
Schaltplan: vom Vorheizer zur Standheizung, bessere Bilder in meiner Bildergalerie
4) Bemerkung:
Der Treibstoffkreislauf ist so gebaut, daß selbst nach Ausfall aller Komponenten ganz normal mit der ESP und dem Haupttank gefahren wird (alle Ventile sind in diese Richtung stromlos offen). Die Vorförderpumpe hat eine sogenannte „Umgehungsstrecke“ für den Fall daß die Pumpe ausfällt, oder die Fördermenge größer ist als die Leistung der Vorförderpumpe. In der Umgehungsstrecke befindet sich ein Rückschlagventil, damit die Pumpe im Stand auf jeden Fall das ganze Treibstoffsystem durchspült und nicht einen „kleinen Kreislauf“ über die Umgehungsstrecke kurzschließt. So ist die "Fahrsicherheit" immer gegeben. Das Absperrventil (AV) im Vorlauf ist für Reparaturzwecke, kann aber auch als "Wegfahrsperre" genutzt werden.
Noch so ein "Sicherheitsgedanke":
Im stromlosen Zustand der 3-Wegeventile (also auch bei Defekt, oder Ausfall) ist der 200 Liter-Haupttank durchgeschaltet. In dem kann alternativ auch einfach Diesel getankt werden. Es steht also genügend Treibstoff zur Verfügung, damit die "Fahrsicherheit" gewährleistet ist.
Habe mal die Fehlermöglichkeiten beim umschalten auf den Zusatztank (Strom auf die 3-Wegeventile geben) durchgespielt:
Vorlaufventil ok, Rücklaufventil unbemerkt ausgefallen: Der 28 Liter-Zusatztank entleert sich in den 200 Liter-Haupttank. Nicht ganz so tragisch, es geht ja nichts verloren.
Rücklaufventil ok, Vorlaufventil unbemerkt ausgefallen: Es wird weiterhin aus dem 200 Liter-Haupttank entnommen und in den 28 Liter-Zusatztank "zurückgespült". Dadurch würde dieser überlaufen.
Deswegen habe ich den Vorlauf des Zusatztanks einen sogenannten "Strömungswächter" eingebaut. Dieser reagiert auf fließen des Medium, unabhängig von Druck usw. Dafür steht ein sog. "Paddel" im Medium, welcher beim fließen ausschlägt und einen Reed-Schalter schließt. Im "Kontrollzentrum" kann ich so anhand der LED´s den tatsäclichen Zustand der 3-Wegeventile erkennen.
mehr Bilder vom Umbauin meiner offroad-Bildgalerie unter:fahren mit Salatoel (vor allem "schärfere" und bessere, bzw. größere Bilder)
Das Leitungsschema ist in meiner offroad-Bildergalerie unter: fahren mit Salatoel
Hier der Link zur Facet-Vorförderpumpe : Facet-Pumpen
Meine "Fahreindrücke":
Inzwischen habe ich auch längere Fahrten mit "Salatöl" hinter mir (z.B. war ich in Genua / Tunesien). Es hat sich herausgestellt, daß das fahren mit Pöl keine Schwierigkeiten bereitet, wenn der Motor warm ist, bzw. bei sommerlichen Aussentemperaturen. Leistungsverlust habe ich nicht festgestellt. Im Gegenteil, ich bilde mir ein, daß der Motor sogar "runder" lief. Der Motor "schnurrte" wie ein Kätzchen. In der Schweiz, bei ca 5° Nachttemperatur, hatte ich morgens Probleme den Wagen zu starten, da noch mit elektrischer Filterheizung. Damit steht für mich fest: Pöl-fahren ist jetzt mein Ding. Durch Einbau der 2-Tankanlage (starten mit Diesel, Weiterfahrt mit Pöl) und Einbau der Standheizung zum vorheizen ist auch dieses Problem beseitigt.
Eine Änderung gibt es allerdings doch: es riecht etwas ungwöhnlich.
Wichtiger Hinweis:
Es gibt zur Zeit noch keine offiziellen Langzeiterfahrungen zum Thema "Pöl-fahren". Alle Umbauten, Tipps usw. sind auf eigenes Risiko durchzuführen. Deswegen ist der allgemeine Erfahrungsaustauch zu diesem Thema auch so wichtig. Auf der genannten Seite: www.fmpo.de gibt es eine Fahrzeugdatenbank, wo jeder die Erfahrungen mit seinem Umbau, bzw. Fahrzeug ablegen kann, damit alle davon provitieren können.